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Kapitel № 21 · 1947 – present

Keine Verschwörung erforderlich

Eine Verschwörung kann man verhaften. Was die Akten zeigen, ist schlimmer: eine Struktur, die ohne eine auskommt.

Mont PèlerinThirty-nine founders, 1947TuriGramsci’s cell, 1928–1935ParisBourdieu at the Collège de FranceNew YorkMills at ColumbiaWashingtonThe memorandum’s harvestChicagoThe counter-doctrine’s school2 000 kmN
Atlas Wo es geschah. The structure’s visible addresses. A hotel above Lake Geneva where the long campaign was founded as a learned society, with proceedings; a prison cell in Puglia where hegemony was named; the Collège de France, where the machinery of inherited merit was measured; Columbia, where the power elite was mapped as a structure rather than a plot; Chicago, where the counter-doctrine was schooled; and Washington, where the Powell memorandum’s programme of funded chairs and standing legal foundations was carried out in the open. Nothing on this map was secret. That is the argument.
Chronologie

Wann es geschah

  1. 1926 "Stop this brain" Gramsci arrested; the prosecutor demands twenty years without the brain functioning. The notebooks begin in 1929.
  2. 1935 The salary line Sinclair, freshly slandered out of the California governorship, compresses the sociology of ideology into one sentence.
  3. April 1947 Mont Pelerin The long campaign founded as a learned society: statement of aims, conferences, proceedings. Elite coordination, minuted.
  4. 1956 The Power Elite Mills maps three interlocking hierarchies and explicitly disclaims conspiracy: the coincidence of interest does the work.
  5. 1966 Reification named Berger and Luckmann: institutions made by people confront the next generation as facts of nature.
  6. 1970 La Reproduction Bourdieu and Passeron measure the schools consecrating inheritance as merit.
  7. 1971 The memorandum and the burglary Powell’s open programme for a counter-establishment leaks, to no scandal; eight burglars in Media, Pennsylvania end COINTELPRO with a mailing. The structure survives exposure; the conspiracy does not.
  8. 1988 Manufacturing Consent Five filters staff the press with sincere believers. The model is mistaken for a conspiracy theory to this day.
  9. 2011 The Folly of Fools Trivers: self-deception evolves in the service of deception. The best liar believes it.
  10. 2014 The spreadsheet Gilens and Page: elite preferences predict policy; the median voter’s, controlled for elite opinion, predict almost nothing. No leak required.
A century of the machine being described, by people who kept insisting they had found no plot: a prisoner, a handful of sociologists, a novelist who ran for governor, and two political scientists with a spreadsheet.

Markierte Begriffe tragen eine kurze Erklärung: mit der Maus darüberfahren oder auf dem Touchscreen antippen.

„Es ist schwer, einen Menschen dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht.“

— Upton Sinclair, I, Candidate for Governor: And How I Got Licked, 1935

Zwanzig Kapitel dieser Chronik haben nun fünf Jahrhunderte eines Verhaltens beschrieben, das so gleichförmig ist, dass es geplant aussieht: dieselbe Grenze gezogen und neu gezogen, dieselben Argumente pünktlich geliefert, dieselben Interessen unter fünf Vokabularen bedient. Der naheliegende und älteste Schluss lautet, dass jemand es plant: ein Ausschuss, eine Blutlinie, ein Zimmer. In diesem Kapitel hält die Chronik inne, um so sorgfältig wie möglich zu sagen, dass der Schluss falsch ist und dass die Belege stattdessen etwas Schlimmeres zeigen. Eine Verschwörung lässt sich aufdecken und verhaften. Was die Akten tatsächlich dokumentieren, ist eine Struktur, die sich ohne Anweisungen reproduziert, ihr eigenes Personal auswählt, ihre eigene Aufrichtigkeit herstellt und von den Verschwörungstheorien profitiert, die über sie erzählt werden.

Warum es koordiniert aussieht

Beginnen wir mit dem Fall, der einer Verschwörung am ähnlichsten sieht, denn Kapitel 16 hat ihn bereits dokumentiert. Als die Vereinigten Staaten 1954 die Regierung Guatemalas stürzten, war der Außenminister ein ehemaliger Anwalt der United Fruit Company, sein Bruder leitete die CIA und war der Rechtsberatung des Vorstands der Gesellschaft verbunden gewesen, und die Operation diente den Interessen des Unternehmens genau. Hier ist doch wohl das Zimmer.

Aber sieht man genauer hin, was die Dokumente (sämtlich inzwischen freigegeben) tatsächlich zeigen, löst sich das Zimmer auf. Niemand bestach die Brüder Dulles; man musste ihnen nicht sagen, was United Fruit brauchte, denn sie hatten dreißig Jahre damit zugebracht, zu jener Sorte Männer zu werden, denen man es nicht sagen musste. Kanzlei, Klub, Vorstand und Ministerium waren ein einziges gesellschaftliches Kontinuum, das auf eine einzige Weltsicht hin auslas, und die Brüder glaubten aufrichtig, das Interesse des Unternehmens, die Stabilität der Hemisphäre und Gottes Vorliebe für die freie Wirtschaft seien ein und dasselbe. Das ist keine Verschwörung. Es ist etwas Billigeres und weit Dauerhafteres: zusammenlaufende Interessen plus gemeinsame Prägung, die abgestimmtes Verhalten ohne einen Abstimmenden hervorbringen, so wie tausend Stare gemeinsam wenden, ohne dass ein Vogel führt.1

C. Wright Mills machte genau dieses Argument 1956, in dem Buch, dessen Titel gewöhnlich als Verschwörungsbehauptung missverstanden wird. Die Machtelite, beharrte er, sei keine geheime Kabale, sondern drei ineinandergreifende Hierarchien (die wirtschaftliche, die militärische, die politische), deren Spitzenpersonal zwischen denselben Posten zirkuliert, in dieselben Familien einheiratet und an denselben Schulen dieselbe Wirklichkeitsdefinition aufnimmt, sodass „die Vorstellung der Machtelite … nicht auf der Annahme einer Verschwörung beruht“; das Zusammenfallen der Interessen leistet die Arbeit, die sonst ein Komplott leisten müsste, offen und legal.2

Wie die Struktur sich selbst kopiert

Eine Struktur ohne Hauptquartier braucht dennoch einen Vererbungsmechanismus, und die Soziologie hat ein Jahrhundert damit zugebracht, ihn zu dokumentieren.

Sie zieht ihr eigenes Personal heran. Pierre Bourdieu verbrachte eine Laufbahn damit zu messen, wie Eliteschulen ererbten Vorteil in bescheinigtes Verdienst verwandeln: das Kind kommt mit den Dispositionen seiner Klasse an (dem Akzent, der Selbstverständlichkeit, den Anspielungen, dem, was er nannte), die Schule prüft genau diese Dispositionen und nennt das Ergebnis Begabung, und der Absolvent geht in vollkommener Aufrichtigkeit in dem Glauben hervor, die Stellung verdient zu haben. Die Hierarchie wird dadurch reproduziert und, entscheidend, geweiht: sie wird als Natur erscheinen gemacht. Kapitel 13 sah zu, wie die Massenausgabe dieser Maschine gebaut wurde; Bourdieu prüfte die Chefetage.3

Sie stellt ihren eigenen gesunden Menschenverstand her. Antonio Gramsci, der in einem faschistischen Gefängnis Hefte schrieb, die eine Generation bis zum Druck brauchten, fragte, warum die Ausgebeuteten so selten aufbegehren, und antwortete: weil das Hauptinstrument der Herrschaft nicht die Polizei ist, sondern das Klassenzimmer, die Zeitung und die Kanzel, die die Weltbeschreibung der Herrschenden als den gesunden Menschenverstand aller einbauen. Er nannte die Einrichtung Hegemonie, und ihr Kennzeichen ist, dass sie genau dann keine Durchsetzung braucht, wenn sie wirkt: über die geleerten Schwimmbäder aus Kapitel 18 wurde abgestimmt. Der Ankläger in seinem Prozess verlangte, das Gericht solle „dieses Gehirn für zwanzig Jahre am Funktionieren hindern“; die Hefte sind die Antwort des Gehirns.4

Sie vergisst, dass sie gebaut wurde. Berger und Luckmann gaben dem letzten Schritt seinen Namen: Verdinglichung. Institutionen werden von Menschen gemacht, aber eine Generation später treten sie der nächsten Kohorte als Naturtatsachen entgegen, als „so ist es eben“, und die Kategorien aus Kapitel 8, in lebendiger Erinnerung an einen portugiesischen Chronisten erfunden, wurden binnen zweier Jahrhunderte mit Messschiebern als Biologie vermessen. Nichts in dieser Chronik ist folgenreicher gewesen als die Geschwindigkeit, mit der ein Artefakt seine eigene Herstellung vergessen kann.5

Sie liest auf Gläubige hin aus. Kein Chefredakteur muss je einem Journalisten befehlen, dem Eigentümer zu schmeicheln; der Journalist, der einen Befehl braucht, wird nicht Chefredakteur. Das „Propagandamodell“ von Herman und Chomsky, routinemäßig für eine Verschwörungstheorie gehalten, ist deren ausdrückliche Widerlegung: fünf strukturelle Filter (Eigentum, Werbung, Quellen, Gegenfeuer, Ideologie) bringen aus vollkommen aufrichtigen Journalisten eine gefügige Presse hervor, von denen jeder wahrheitsgemäß sagen kann, ihm habe nie jemand gesagt, was er schreiben solle. Der Filter zensiert nicht; er besetzt Stellen.6

Porträt von Antonio Gramsci
Antonio Gramsci. Mussolinis Gericht verurteilte ihn zu zwanzig Jahren, um „dieses Gehirn am Funktionieren zu hindern“; in seiner Zelle arbeitete er heraus, warum das Anhalten von Gehirnen selten nötig ist: die erste Verteidigungslinie einer Herrschaftsordnung ist nicht die Unterdrückung, sondern der stille Einbau ihrer Weltsicht als gesunder Menschenverstand.Wikimedia Commons · gemeinfrei

Die rauchenden Colts liegen offen abgeheftet

Der stärkste Beleg gegen die Theorie vom geheimen Ausschuss ist, wie die Dinge aussehen, die einem rauchenden Colt am nächsten kommen. Es sind öffentliche Dokumente, und sie sind erstaunlich banal.

1947 trafen sich neununddreißig Ökonomen, Historiker und Journalisten in einem Hotel auf dem Mont Pèlerin über dem Genfersee, um den langen geistigen Feldzug gegen die Nachkriegsordnung zu organisieren. Sie gründeten eine Gesellschaft, veröffentlichten eine Zielerklärung und hielten Tagungen mit Protokollen ab. 1971, zwei Monate vor seiner Berufung an den Obersten Gerichtshof, schrieb der Unternehmensanwalt Lewis Powell ein vertrauliches Memorandum für die US-Handelskammer, in dem er ausführte, die amerikanische freie Wirtschaft stehe unter Angriff und die Wirtschaft müsse geduldig und offen ein Gegen-Establishment aufbauen: finanzierte Lehrstühle, überwachte Lehrbücher, wohlgesonnene Gelehrte, ständige juristische Stiftungen. Das Memo drang binnen eines Jahres an die Öffentlichkeit, ohne Skandal, und die Empfehlung wurde schlicht ausgeführt: die Denkfabriken, Prozessführungsbüros und Stiftungsprofessuren des folgenden Jahrzehnts, von denen diese Chronik mehrere bereits getroffen hat, entsprechen seinem Programm eng genug, dass Historiker nur noch über den Grad des Einflusses streiten.7

Man beachte, was diese Dokumente nicht sind. Sie sind keine Pläne, etwas Geheimes zu tun; sie sind Aufforderungen, offen zu tun, was Geld rechtmäßig tun darf: finanzieren, veröffentlichen, stiften, prozessieren, wiederholen. Deshalb konnten sie folgenlos an die Öffentlichkeit dringen. Die Verschwörung ist das teure Werkzeug, das man braucht, wenn die Struktur die Arbeit nicht von selbst leistet. Wo die Anreize ohnehin gleichgerichtet sind, kann die Abstimmung veröffentlicht, protokolliert und steuerlich abgesetzt werden, und sie wird es. Die Berliner Konferenz veröffentlichte ihre Generalakte; die FHA druckte ihre Redlining-Kriterien in einem Handbuch; das Powell-Memo wurde verschickt. Der Skandal des Archivs ist nicht, dass es verborgen ist. Er ist, dass es abgeheftet ist.

Den eigenen Lügen glauben

Die letzte Anforderung des Systems ist psychologisch. Seine Betreiber müssen es betreiben können, während sie sich selbst als anständig erleben, und der Befund dieser Chronik lautet, dass sie das überwältigend tun. Zurara weinte in Lagos über die Versklavten, während er das Argument für ihre Versklavung erfand, und es gibt keinen Grund, an den Tränen oder an der Überzeugung zu zweifeln. Die Missionare aus Kapitel 10 glaubten aufrichtig. Bischof Classe glaubte aufrichtig. Die Exxon-Manager aus Kapitel 19 lasen die Prognosen ihrer eigenen Wissenschaftler und finanzierten dennoch den Zweifel, und die internen Unterlagen legen weniger höhnische Bösartigkeit nahe als eine langsame, interessengeleitete Überzeugung, die Modelle seien gewiss zu pessimistisch, die Wirtschaft komme zuerst, jemand werde es schon lösen.

Der Biologe Robert Trivers liefert den Mechanismus: Selbsttäuschung entwickelt sich im Dienst der Täuschung, denn der überzeugendste Lügner ist derjenige, der zuerst sich selbst getäuscht hat und keine Anzeichen der Anstrengung bewussten Betrugs zeigt. Skaliert man das über Bourdieus Schulen und Mills' rotierende Milieus hinauf, erhält man eine Elite, die nicht vortäuscht, ihre Vorrechte seien verdient und ihr System wohltätig; sie ist sorgfältig dazu erzogen worden, es nicht anders sehen zu können, und ihre Aufrichtigkeit ist kein mildernder Umstand, sondern das Krönungsprodukt der Struktur: der psychologische Lohn aus Kapitel 20, an der Spitze der Pyramide in der Währung der Selbstachtung ausgezahlt. Sinclairs Satz über das Gehalt, von einem Mann, der gerade zugesehen hatte, wie eine Millionen-Dollar-Pressekampagne Kalifornien davon überzeugte, ein Romancier sei ein Bolschewik, ist dieser ganze Abschnitt in fünfundzwanzig Worten.8

Die Undichtigkeitsprobe

Nichts davon heißt, dass es keine Verschwörungen gibt. Diese Chronik ist voll davon: und in Kapitel 16, der COINTELPRO-Feldzug gegen die Bürgerrechtsbewegung, die Abstimmung der Tabakindustrie, Exxons internes Wissen. Aber man beachte, was alle wirklichen gemeinsam haben: sie waren klein, zielbegrenzt, zeitlich begrenzt, und sie drangen an die Öffentlichkeit. Acht Laieneinbrecher räumten 1971 eine FBI-Außenstelle in Media, Pennsylvania, leer und beendeten COINTELPRO mit einer Postsendung. Die Umstürze der CIA stehen auf ihrem eigenen freigegebenen Briefkopf. Die Tabakakten kamen in einem Prozess heraus, Exxons Memos im Journalismus. Geheimnisse, die von Tausenden gehütet werden, zerfallen binnen Jahren, eine Ausfallrate, die man mathematisch modellieren kann, und sie ist modelliert worden.9

Nun wende man die Probe auf das Muster von fünf Jahrhunderten an. Ein Komplott über zwanzig Generationen und Millionen von Beteiligten wäre der katastrophal undichteste Gegenstand der Geschichte, und es hat kein Memo hervorgebracht, weil es kein Memo hervorzubringen gibt. Unterdessen lässt sich das, was tatsächlich existiert, offen messen: als Politikwissenschaftler fast zweitausend politische Ergebnisse der USA gegen die Präferenzen des mittleren Wählers und der wirtschaftlichen Eliten prüften, sagten die Präferenzen der Eliten die Politik voraus, und die des mittleren Wählers, sobald die Elitenmeinung herausgerechnet war, sagten fast nichts voraus. Dieser Befund brauchte keinen Informanten und kein Leck. Er brauchte eine Tabellenkalkulation, denn strukturelle Macht verbirgt sich, anders als eine Verschwörung, nicht. Sie kann es nicht; sie besteht aus Institutionen.10

Und hier muss die Chronik ihre hässlichste Beobachtung anfügen: die Verschwörungstheorie ist nicht bloß eine irrende Rivalin der Strukturanalyse; sie ist einer der Abwehrmechanismen der Struktur selbst. Wenn die Ausgabe der Maschine zu sichtbar wird, um geleugnet zu werden, tritt die Theorie hinzu, um der Maschine ein Gesicht zu geben, und das Gesicht, das ihr gegeben wird, von den Protokollen der Weisen von Zion über die nationalsozialistische Propaganda aus Kapitel 15 bis zur „Austausch“-Lehre aus Kapitel 20, ist mit eintöniger Regelmäßigkeit ein jüdisches. Das gefälschte Komplott personalisiert das Unpersönliche, lenkt den Zorn der weißen Verlierer des Kastensystems selbst vom System weg und auf einen Sündenbock hin und schützt damit genau die Verhältnisse, die es aufzudecken behauptet. Eine Chronik, die mit Verschwörung handelte, wäre nicht bloß falsch. Sie wäre tragend.

Offizielles Porträt von Richter Lewis Powell, 1976
Lewis F. Powell Jr. Sein Memorandum von 1971 für die Handelskammer, das dem Nachkriegskastensystem am nächsten an einem Gründungsdokument kommt, schlug nichts Rechtswidriges und nichts Geheimes vor: stiften, veröffentlichen, prozessieren, wiederholen. Es drang binnen eines Jahres an die Öffentlichkeit, folgenlos. Verschwörung braucht man, wenn die Struktur die Arbeit nicht leistet; die Struktur leistete die Arbeit.US Supreme Court · Wikimedia Commons · gemeinfrei
Wo dieses Kapitel mit sich selbst streitet

Löst die Struktur die Schuld auf? Wenn die Elite in ihre Blindheit hineinerzogen, auf ihre Aufrichtigkeit hin ausgelesen und von nichts als Anreizen abgestimmt wird, hat dieses Kapitel dann stillschweigend alle freigesprochen, die es neunzehn Kapitel lang angeklagt hat?

Nein, und die Akten zeigen, warum. An jedem Angelpunkt hatten benannte Einzelne lebendige Alternativen vor sich und wählten: manche Ärzte traten den Eugenikgesellschaften bei und manche sagten gegen sie aus; manche Geistlichen verteidigten die rassische Ordnung und manche taten es, unter realen Kosten, nicht; die Mitglieder des Sicherheitsrats vom 21. April 1994 hörten die Argumente für eine Verstärkung, bevor sie für den Abzug stimmten. Die Struktur erklärt, warum das Entfernen eines einzelnen Schurken so wenig ändert; sie verwandelt Entscheidungen nicht in Wetter. Die Chronik nennt Namen nicht, weil die Namen die Erklärung sind, sondern weil die Verantwortung das Einzige in dieser Geschichte ist, das sich nicht selbsttätig reproduziert. Und die Aufrichtigkeitsverteidigung scheitert an ihren eigenen Bedingungen: eine Prägung, die die Mächtigen außerstande setzt, den Schaden zu sehen, den sie verwalten, ist ein moralisches Versagen, dessen Aufbau Jahrhunderte an Arbeit gekostet hat, und ihre Nutznießer finanzieren ihre Instandhaltung.

Vorwärts

Damit schließt der fünfte Satz der Chronik. Die Maschine ist nun in vollem Maßstab beschrieben: die Grenze (Kapitel 1), das Imperium, das sie tragbar machte (Kapitel 2 bis 7), die Rasse, die sie industrialisierte (8 bis 11), die Nation, die sie beschulte (12 bis 15), das Kastensystem, das sie ohne Ausschuss verteidigt (16 bis 21). Was folgt, ist, wie der ganze Apparat von unten aussieht, in einem kleinen Land, das alles davon empfing: die Missionsethnographie, die Ausweiskarte, die aufrichtigen Bischöfe, die strukturelle Preisgabe, und nirgends eine Verschwörung, nur die Maschine im Lauf. Teil VI beginnt in den Hügeln, bevor die Maschine ankam.

Fußnoten

  1. Stephen Kinzer, The Brothers: John Foster Dulles, Allen Dulles, and Their Secret World War (New York: Times Books, 2013); Piero Gleijeses, Shattered Hope (Princeton: Princeton University Press, 1991). Die eigene Rückschau der CIA, Nick Cullathers Secret History (1997 freigegeben), ist ausdrücklich darin, wie wenig irgendjemandem erklärt werden musste. ↩
  2. C. Wright Mills, The Power Elite (New York: Oxford University Press, 1956), Kap. 12, wo die Zurückweisung der Verschwörung ausdrücklich ist; G. William Domhoff, Who Rules America? (Englewood Cliffs: Prentice-Hall, 1967) und die folgenden Auflagen für die empirische Fortschreibung. ↩
  3. Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron, La Reproduction (Paris: Minuit, 1970); Bourdieu, La Distinction (Paris: Minuit, 1979) und La Noblesse d'État (Paris: Minuit, 1989). ↩
  4. Antonio Gramsci, Quaderni del carcere, geschrieben 1929–1935, veröffentlicht 1948–1951; auf Englisch Selections from the Prison Notebooks, hg. von Hoare und Nowell-Smith (London: Lawrence & Wishart, 1971). Die Forderung des Anklägers wird in den Standardbiographien berichtet, darunter Giuseppe Fiori, Antonio Gramsci: Life of a Revolutionary (1965; englische Ausgabe London: NLB, 1970). ↩
  5. Peter L. Berger und Thomas Luckmann, The Social Construction of Reality (New York: Doubleday, 1966), Teil II, zur Verdinglichung. ↩
  6. Edward S. Herman und Noam Chomsky, Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media (New York: Pantheon, 1988), deren erstes Kapitel ausdrücklich feststellt, das Modell sei „keine Verschwörungstheorie“; der Markt besorgt die Auslese. ↩
  7. Zum Mont Pèlerin: Philip Mirowski und Dieter Plehwe (Hg.), The Road from Mont Pèlerin: The Making of the Neoliberal Thought Collective (Cambridge, MA: Harvard University Press, 2009). Das Powell-Memorandum, „Attack on American Free Enterprise System“ (23. August 1971), ist von den Powell Archives der Rechtsbibliothek der Washington and Lee University vollständig veröffentlicht; zu seinem Nachleben Kim Phillips-Fein, Invisible Hands (New York: Norton, 2009), die auch sorgfältig mit den Grenzen seines Einflusses umgeht. ↩
  8. Robert Trivers, The Folly of Fools: The Logic of Deceit and Self-Deception in Human Life (New York: Basic Books, 2011); Ziva Kunda, „The Case for Motivated Reasoning“, Psychological Bulletin 108:3 (1990), S. 480–498; Upton Sinclair, I, Candidate for Governor: And How I Got Licked (Pasadena: im Selbstverlag, 1935), zum Feldzug gegen seine EPIC-Kandidatur von 1934. ↩
  9. Betty Medsger, The Burglary: The Discovery of J. Edgar Hoover's Secret FBI (New York: Knopf, 2014); David Robert Grimes, „On the Viability of Conspiratorial Beliefs“, PLOS ONE 11:1 (2016), e0147905, für das Zerfallsmodell. ↩
  10. Martin Gilens und Benjamin I. Page, „Testing Theories of American Politics: Elites, Interest Groups, and Average Citizens“, Perspectives on Politics 12:3 (2014), S. 564–581. Zu den Protokollen und zur politischen Funktion des Verschwörungsdenkens Norman Cohn, Warrant for Genocide (London: Eyre & Spottiswoode, 1967); Richard Hofstadter, „The Paranoid Style in American Politics“, Harper's Magazine, November 1964. ↩
Dramatis personae

Wer beteiligt war

  1. Figuren

    Antonio Gramsci

    1891 – 1937 Theorist of hegemony; political prisoner

    Common sense, audited

    Mussolini’s prosecutor demanded the court stop this brain from functioning for twenty years; in his cell, in notebooks that took a generation to reach print, the brain worked out why stopping brains is rarely necessary. Domination’s main instrument is not the police but the schoolroom, the newspaper and the pulpit, which install the rulers’ description of the world as everyone’s common sense; he called the arrangement hegemony, and its signature is that it needs no enforcement at exactly the moments it is working.

    Gramsci, Selections from the Prison Notebooks (1971)

  2. Figuren

    C. Wright Mills

    1916 – 1962 Sociologist

    The coincidence of interest, mapped

    The Columbia sociologist whose Power Elite (1956) is routinely misread as a conspiracy claim and was written as its refutation: three interlocking hierarchies, corporate, military and political, whose personnel circulate among the same posts and absorb the same definition of reality at the same schools, producing coordination that needs no committee. He died at forty-five, having spent his last years insisting that the elite’s power was structural, legal, and conducted in the open.

    Mills, The Power Elite (1956)

  3. Figuren

    Pierre Bourdieu

    1930 – 2002 Sociologist

    Inheritance, audited as merit

    A postman’s son from the Pyrenees who reached the Collège de France and spent his career measuring the machine that had admitted him: elite schools examine the dispositions a child inherits, the accent, the ease, the references, and certify the result as talent, so that the hierarchy is reproduced and consecrated in the same motion. His word for the inherited equipment, habitus, is the answer to the question of how a structure coordinates its personnel without instructions: it raises them.

    Bourdieu and Passeron, La Reproduction (1970) · Bourdieu, La Noblesse d’État (1989)

  4. Fraktionen

    The Mont Pelerin Society

    from 1947 Neoliberal thought collective

    The long campaign, with proceedings

    Thirty-nine economists, historians and journalists met at a hotel above Lake Geneva in 1947 to organise the intellectual campaign against the postwar settlement, and did it in the manner of a learned society: a statement of aims, conferences, proceedings. It is what actual elite coordination looks like, which is why conspiracy theorists ignore it: public, minuted, tax-deductible, and patient enough to wait thirty years for its moment.

    Mirowski and Plehwe (eds), The Road from Mont Pèlerin (2009)

  5. Figuren

    Lewis F. Powell Jr.

    1907 – 1998 Corporate lawyer; Supreme Court justice, 1972–1987

    The counter-establishment, minuted

    Two months before his nomination to the Supreme Court he wrote a confidential memorandum for the Chamber of Commerce urging business to build a counter-establishment: funded chairs, monitored textbooks, standing legal foundations. It leaked within a year, to no scandal, because it proposed nothing secret and nothing illegal, and the think tanks of the following decade match its programme closely. It is the nearest thing the postwar caste system has to a founding document, and it is filed in a university library.

    Powell Archives, Washington and Lee University · Phillips-Fein, Invisible Hands (2009)

  6. Figuren

    Upton Sinclair

    1878 – 1968 Novelist; candidate for governor of California, 1934

    The salary, named

    His novel about the Chicago stockyards moved a president to regulate meat rather than wages, and he summarised the lesson himself: he aimed at the public’s heart and by accident hit it in the stomach. Twenty-eight years later, after a million-dollar press campaign convinced California that a novelist was a Bolshevik, he compressed the sociology of ideology into a single sentence about a man’s salary and his understanding, which this chronicle uses as the epigraph it is.

    Sinclair, I, Candidate for Governor (1935)

  7. Figuren

    Robert Trivers

    b. 1943 Evolutionary biologist

    The sincerity, explained

    His theory of self-deception supplies the psychological load-bearing wall of this chronicle: deceiving yourself first makes you a better deceiver of others, because the sincere show none of the strain of conscious fraud. Scaled up through schools and careers, it explains the observation that recurs from Zurara to the oil companies: the operators of the machine are not pretending to believe in it. They have been raised to be unable to see it.

    Trivers, The Folly of Fools (2011)

  8. Figuren

    Martin Gilens and Benjamin Page

    b. 1957 and 1940 Political scientists

    The spreadsheet, not the leak

    They tested nearly two thousand American policy outcomes against the preferences of median voters and economic elites, and found that elite preferences predicted policy while the median voter’s, once elite opinion was controlled for, predicted almost nothing. The finding required no informant, no leak and no theory of a hidden hand, which is the point: structural power, unlike conspiracy, does not hide, because it is made of institutions.

    Gilens and Page, Testing Theories of American Politics (2014)

rwandafacts Eine wissenschaftliche Chronik, mit Belegen.
Die Inhalte sind belegt; Korrekturen sind willkommen.