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Kapitel № 15 · 1932 – 1951

Wer sich für Hitler entschied

Im November 1932 verlor die NSDAP Stimmen und war ohne Geld. Man übergab ihr die Macht trotzdem.

4 January → 30 JanuaryBerlin30 January 1933CologneSchröder’s house, 4 January 1933Potsdam21 March 1933DachauOpened 22 March 1933NurembergThe trials, 1945–49MonowitzIG Farben, with camp labourMittelbau-DoraThe V-2, built by slave labourLyonBarbie, convicted 1987The RuhrSteel, coal, and the pledgesEast ElbiaThe Junker estates250 kmN
Atlas Wo es geschah. Ten weeks in which nothing changed in the economy and everything changed in the government. The decisive room is the small one at Cologne, in the banker Schröder’s house on 4 January 1933, and the arrow from it to Berlin is the whole mechanism, since Hitler was never elected but appointed. Then read the rest in order: Potsdam to reassure the conservatives in March, Dachau seven weeks after the appointment for communists and trade unionists, and the industrial sites where the arrangement paid out.
Chronologie

Wann es geschah

  1. November 1932 The Nazi party loses two million votes 33.1 per cent, down 34 seats, and the communist vote still climbing, to 100 seats.
  2. November 1932 The petition to Hindenburg Businessmen, bankers and landowners assembled by Schacht and Keppler ask him to appoint Hitler. Around twenty signatures.
  3. 8 December 1932 Strasser resigns The most dangerous internal moment in the party’s history. Goebbels records Hitler talking about a pistol.
  4. 4 January 1933 The meeting at Cologne Papen, dismissed and determined to get at his successor, proposes a joint government. Schröder gave an account of it under oath at Nuremberg.
  5. 30 January 1933 Hitler appointed Chancellor Never elected. Three of eleven cabinet members are Nazis. Papen tells his allies they have him boxed in.
  6. 20 February 1933 Three million Reichsmarks pledged Schacht and Göring assemble two dozen industrialists. Hitler tells them this may be the last election for a hundred years.
  7. 27–28 February 1933 The Reichstag fire decree Civil liberties suspended. Some 10,000 communists arrested in Prussia within weeks.
  8. 22 March 1933 Dachau opens Announced as a camp for communists. The first inmates are communists, social democrats and trade unionists.
  9. 2 May 1933 Every trade union office in Germany occupied Funds seized, leadership arrested, collective bargaining abolished. That was the deliverable.
  10. 1934 The Law for the Ordering of National Labour The leadership principle inside the enterprise: the employer is the Betriebsführer, the workforce his followers.
  11. 1947–48 The IG Farben trial Thirteen of twenty-four convicted, eighteen months to eight years. All released by 1951.
  12. from 1945 Operation Paperclip Around 1,600 German specialists taken to the United States, records sanitised where necessary. Von Braun’s V-2 had been built by slave labour at Mittelbau-Dora.
  13. 1951 Krupp released, property restored The same year a new law returns dismissed officials (including large numbers of former party members) to public service.
Fascism did not arrive because a population went mad. It arrived because, at a specific moment, a propertied elite facing a rising left decided the greater danger was redistribution and the lesser danger was a violent movement it believed it could steer. It was wrong about the steering. It was not wrong about the profits.

Markierte Begriffe tragen eine kurze Erklärung: mit der Maus darüberfahren oder auf dem Touchscreen antippen.

„In zwei Monaten haben wir Hitler so weit in die Ecke gedrückt, daß er quietscht.“

— Franz von Papen, der dies im Januar 1933 gegenüber einem konservativen Zweifler gesagt haben soll

Die Fassung dieser Geschichte, die die meisten Menschen mit sich tragen, ist eine Art Wetterbericht. Deutschland wurde durch Versailles ruiniert, dann noch einmal durch die Weltwirtschaftskrise, sechs Millionen waren arbeitslos, die Bevölkerung verzweifelte, und aus dieser Verzweiflung stiegen die Nationalsozialisten zwangsläufig auf. Niemand hat es gewählt; es geschah einfach.

Sieht man sich die tatsächlichen Monate an, bricht diese Darstellung zusammen. Im November 1932 verlor die NSDAP zwei Millionen Stimmen und 34 Sitze. Sie war faktisch zahlungsunfähig. Ihre Organisation zerfiel; ihr zweitmächtigster Mann trat zurück; und ihr Führer sprach, dem Tagebuch des Mannes zufolge, der ihm am nächsten stand, davon, sich zu erschießen. Zehn Wochen später war er Reichskanzler.

An der Wirtschaftslage änderte sich in diesen zehn Wochen nichts. Was sich änderte, war, dass eine kleine Zahl namentlich bekannter Männer eine Entscheidung traf, und ihr Beweggrund dafür war, dass sie ihn der Alternative auf der Linken vorzogen.

November 1932: die Partei in Schwierigkeiten

Die Zahlen sind unstrittig.

ReichstagswahlNSDAPKPD (Kommunisten)
September 193018,3 % · 107 Sitze13,1 % · 77 Sitze
Juli 193237,3 % · 230 Sitze14,6 % · 89 Sitze
November 193233,1 % · 196 Sitze16,9 % · 100 Sitze

Der Stimmenanteil der Nationalsozialisten hatte seinen Höhepunkt überschritten und sank. Der kommunistische Stimmenanteil stieg weiter. Im Berliner Verkehrsarbeiterstreik vom November 1932 fanden sich nationalsozialistische und kommunistische Aktivisten an derselben Streikpostenkette wieder, ein Zeichen dafür, wie unberechenbar die Stimmen der Arbeiterschaft waren und wie beunruhigend das für jeden mit Besitz war.

Die Partei war pleite. Vier reichsweite Wahlkämpfe in einem Jahr (zwei Runden der Reichspräsidentenwahl und zwei Reichstagswahlen) hatten sie erschöpft. Goebbels' Tagebuch aus dem späten Jahr 1932 ist eine fortlaufende Aufzählung unbezahlter Druckereien, unbezahlter SA-Männer und Gläubiger. Die Einträge sind unverblümt darin, dass die Lage aussichtslos sei.

Sie spaltete sich zudem. Am 8. Dezember 1932 trat Gregor Strasser (der Reichsorganisationsleiter der Partei und Führer ihres stärker antikapitalistischen Flügels) zurück, nachdem Hitler ihm untersagt hatte, unter Schleicher eine Vizekanzlerschaft zu übernehmen. Es war der gefährlichste innerparteiliche Moment in der Geschichte der Partei. In den Einträgen rund um diese Krise hält Goebbels fest, dass Hitler sagte, wenn die Partei zerfalle, mache er in drei Minuten mit der Pistole Schluss.1

Das ist der Zustand der nationalsozialistischen Bewegung sieben Wochen vor ihrer Machtübernahme: Stimmen verlierend, ohne Geld, sich spaltend, ihr Führer vom Selbstmord redend.

Wahlplakat der Kommunistischen Partei Deutschlands aus dem Jahr 1932
KPD-Wahlplakat, 1932. Der kommunistische Stimmenanteil stieg bei jeder Wahl von 1928 bis November 1932 und erreichte 100 Sitze. Für deutsche Industrielle und Grundbesitzer, die die Kollektivierung in der Sowjetunion beobachteten, war dies (nicht die Nationalsozialisten) der Notstand.Wikimedia Commons · public domain

Die Entscheidung

Hitler wurde nie zum Reichskanzler gewählt. Er wurde vom 85-jährigen Reichspräsidenten Hindenburg auf Anraten eines Kreises um ihn herum ernannt. Die Weimarer Verfassung lief seit 1930 im Wege präsidialer Notverordnungen; der Reichstag hatte bereits aufgehört zu regieren. Die Frage, wer Deutschland regierte, lag daher in den Händen von vielleicht einem Dutzend Menschen.

4. Januar 1933: das Treffen in Köln. Hitler und Franz von Papen trafen sich im Haus des Bankiers Kurt von Schröder, in Anwesenheit von Himmler, Heß und Keppler. Papen (kurz zuvor als Reichskanzler entlassen und entschlossen, es seinem Nachfolger Schleicher heimzuzahlen) schlug eine gemeinsame Regierung vor. Schröder gab in Nürnberg unter Eid eine Darstellung dieses Treffens zu Protokoll.2

Die Eingabe. Im November 1932 ersuchte eine von Hjalmar Schacht und Wilhelm Keppler zusammengebrachte Gruppe von Unternehmern, Bankiers und Grundbesitzern Hindenburg, Hitler an die Spitze einer Regierung der nationalen Konzentration zu berufen. Rund zwanzig Unterschriften kamen zusammen.

Der Druck der Landwirtschaft. Die des Ostens (Hindenburgs eigene Klasse und Nutznießer des damals parlamentarisch überprüften -Programms) übten starken Druck gegen Schleicher aus, der eine Landumverteilung zu Siedlungszwecken ins Gespräch gebracht hatte. Hindenburg war selbst ein ostelbischer Gutsbesitzer.

30. Januar 1933. Hitler wurde zum Reichskanzler eines Kabinetts ernannt, in dem nur drei von elf Mitgliedern Nationalsozialisten waren. Papen übernahm die Vizekanzlerschaft und das Recht, zugegen zu sein, sooft Hitler den Reichspräsidenten sah, und sagte seinen Verbündeten, die Regelung habe Hitler eingeschnürt. Hugenberg, der Medienmagnat und DNVP-Vorsitzende, übernahm Wirtschaft und Landwirtschaft und glaubte dasselbe.

Sie hatten, wie sie meinten, einen Demagogen zum Sonderpreis angeworben, mit einer Massengefolgschaft, die sie nutzen konnten, und einer Partei, die zu pleite war, um unabhängig zu sein. Binnen sechs Monaten war jeder Einzelne von ihnen kaltgestellt, und im Juni 1934 wurden Papens eigene Mitarbeiter erschossen.

Hitler und Franz von Papen bei der Feier zum Tag von Potsdam, 21. März 1933
Potsdam, 21. März 1933: Hitler mit Vizekanzler Papen. Die Feier war inszeniert, um die neue Regierung als Erbin preußischer Tradition darzustellen und den Konservativen zu versichern, dass die Sache unter Kontrolle sei. Papen hatte ihnen gesagt, Hitler werde binnen zweier Monate quietschen.Wikimedia Commons · public domain
Wo dieses Kapitel mit sich selbst streitet

Die Behauptung, „die Großindustrie habe Hitler an die Macht gebracht“, ist zu grob, und die übliche wissenschaftliche Korrektur muss angeführt werden. Henry Ashby Turners German Big Business and the Rise of Hitler (1985) wies anhand von Firmenarchiven nach, dass die größten Industrieunternehmen die NSDAP vor 1933 überwiegend nicht finanzierten: Die Partei finanzierte sich weitgehend aus Mitgliedsbeiträgen, Eintrittsgeldern für Kundgebungen und Veröffentlichungen, die meisten Großunternehmer zogen konservative Parteien vor, verteilten ihre Zuwendungen auf mehrere und hielten das Wirtschaftsprogramm der Nationalsozialisten für gefährliche Spinnerei. Die Unterzeichner der Eingabe vom November 1932 kamen eher aus Landwirtschaft, Bankwesen und mittelständischen Unternehmen als aus den Kommandohöhen der Wirtschaft.3

Die genaue Behauptung dieses Kapitels übersteht diese Korrektur, denn sie handelt nicht von der Finanzierung. Sie handelt von der Wahl am Entscheidungspunkt: Als eine funktionierende konservative Elite sich zwischen den Nationalsozialisten und irgendeiner Verständigung mit der organisierten Linken entscheiden musste, wählte sie die Nationalsozialisten, und sie tat es, als diese geschwächt waren, also genau dann, als die Alternative am ehesten verfügbar war. Und sobald die Entscheidung gefallen war, kam das Geld. Am 20. Februar 1933, mitten im Wahlkampf für den März, versammelten Schacht und Göring rund zwei Dutzend führende Industrielle (Krupp, IG Farben, Bergbau- und Elektrokonzerne) in Görings Residenz. Hitler sagte ihnen, dies könne die letzte Wahl für hundert Jahre sein. Rund drei Millionen Reichsmark wurden zugesagt. Dieses Treffen ist dokumentiert, und Schachts eigene Schilderungen davon wurden in Nürnberg zu den Akten genommen.

Wer zuerst in die Lager kam

Der deutlichste Beleg dafür, wozu die Regelung diente, ist die Reihenfolge, in der Menschen verhaftet wurden.

Der Reichstagsbrand vom 27. Februar führte am folgenden Tag zur Verordnung zum Schutz von und Staat, die die bürgerlichen Freiheiten außer Kraft setzte. Unmittelbar darauf folgte eine Massenverhaftung der Kommunistischen Partei: etwa 10.000 Festnahmen in Preußen binnen Wochen, KPD-Abgeordnete festgesetzt, die Presse der Partei geschlossen. Dachau wurde am 22. März 1933 eröffnet; Himmlers Presseerklärung beschrieb es als Lager für Kommunisten und, wie er es ausdrückte, staatsgefährdende Funktionäre. Die ersten Häftlinge waren Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter.4

Die Verfolgung der Juden eskalierte in den folgenden Jahren in einer Reihe von Schritten und gipfelte im Massenmord. Die Verfolgung der organisierten Linken war sofortig, umfassend und die erste, denn sie war die vereinbarte Leistung.

Häftlinge im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1933
Dachau, 1933. Das erste deutsche Konzentrationslager wurde sieben Wochen nach Hitlers Amtsantritt eröffnet, und seine erste Belegschaft war politisch: Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter.Bundesarchiv Bild 152-01-14 · Friedrich Franz Bauer · CC BY-SA 3.0 de

Was die Arbeitgeber bekamen

Am 2. Mai 1933 (dem Tag, nachdem das Regime den 1. Mai als staatlichen Feiertag vereinnahmt hatte) besetzten SA und SS sämtliche Gewerkschaftsbüros in Deutschland, beschlagnahmten die Kassen und verhafteten die Führung. Unabhängige Gewerkschaften hörten auf zu bestehen. Tarifverhandlungen wurden abgeschafft; das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit (1934) übertrug das Führerprinzip auf den Betrieb, machte den Arbeitgeber zum und die Belegschaft zu seiner Gefolgschaft, wobei Streitfälle von staatlichen Treuhändern behandelt wurden.

Was folgte, war aus der Sicht des deutschen Kapitals außerordentlich günstig:

  • Wiederhergestellte Arbeitsdisziplin. Streiks weg, Lohnverhandlungen weg, Betriebsräte ausgehöhlt. Die Löhne erholten sich langsam, während Gewinne und Dividenden stiegen.
  • Aufrüstungsaufträge. Öffentliches Geld in gewaltigem Umfang floss in Stahl, Chemie, Fahrzeuge, Flugzeuge und Bau.
  • „Arisierung“. Unternehmen und Vermögen in jüdischem Besitz wurden, in der Regel zu einem Bruchteil des Wertes, an nichtjüdische Eigentümer übertragen, eine schlichte Vermögensübertragung an die politisch Begünstigten.
  • Zwangsarbeit. Bis 1944 setzte die deutsche Kriegswirtschaft Millionen ausländischer Zivilarbeiter, Kriegsgefangener und Konzentrationslagerhäftlinge ein. Die IG Farben errichtete mit Lagerarbeit ein Werk in Auschwitz-Monowitz; Krupp, Siemens, Daimler-Benz, BMW, Volkswagen und viele andere setzten Zwangsarbeiter ein.5

Und danach fast nichts

Dies ist der Teil mit dem längsten Schatten.

Die Industriellen. Im IG-Farben-Prozess (1947–48) wurden dreizehn von vierundzwanzig Angeklagten verurteilt, mit Strafen von achtzehn Monaten bis acht Jahren; alle waren bis 1951 entlassen. Alfried Krupp wurde 1948 zu zwölf Jahren mit Vermögenseinziehung verurteilt; der amerikanische Hohe Kommissar John J. McCloy wandelte die Strafe um und gab das Vermögen im Januar 1951 zurück. Friedrich Flick, wegen des Einsatzes von Sklavenarbeit verurteilt, kam 1950 frei und starb als reichster Mann Westdeutschlands.

Die Beamten. Die Entnazifizierung in den Westzonen bearbeitete Millionen von Fällen und stufte die überwältigende Mehrheit als bloße Mitläufer ein. Das Gesetz von 1951 stellte die Pensions- und Beschäftigungsansprüche der nach dem Krieg entlassenen Beamten wieder her und brachte eine große Zahl ehemaliger Parteimitglieder zurück in öffentliche Ämter. Hans Globke, der den amtlichen Rechtskommentar zu den Nürnberger Rassengesetzen verfasst hatte, wurde unter Adenauer Chef des Kanzleramts und blieb es acht Jahre.

Die Angeworbenen. Die Vereinigten Staaten nahmen sich, was sie wollten. Die brachte rund 1.600 deutsche Wissenschaftler und Ingenieure nach Amerika, allen voran Wernher von Braun, dessen V-2-Programm in Mittelbau-Dora Sklavenarbeit eingesetzt hatte; von Braun leitete später die Entwicklung der Rakete, die den Mond erreichte. Reinhard Gehlen, Chef des Wehrmachtsnachrichtendienstes für die Ostfront, wurde von den Amerikanern an die Spitze eines Netzes gestellt, aus dem der westdeutsche Bundesnachrichtendienst hervorging. Klaus Barbie, der Gestapo-Chef von Lyon, wurde von der US-Abwehr beschäftigt und aus Europa geschleust; Frankreich verurteilte ihn 1987, zweiundvierzig Jahre zu spät.6

Der Grund wurde damals offen ausgesprochen: Der neue Feind war der Kommunismus, und Männer, die ihre Laufbahn mit dem Kampf gegen Kommunisten verbracht hatten, waren von Wert. Der Kalte Krieg verwertete das Personal des antikommunistischen Projekts weiter, weil das antikommunistische Projekt nicht zu Ende war. Genau das ist das Argument von Kapitel 16.

Das andere Versagen

Redlichkeit verlangt, den eigenen Beitrag der Linken zu benennen. Die bis 1934 gültige Linie des „Sozialfaschismus“ der Kommunistischen Internationale besagte, die Sozialdemokraten seien der Hauptfeind, und verbot eine Einheitsfront mit ihnen. Die KPD verbrachte die entscheidenden Jahre damit, die SPD anzugreifen, und arbeitete zeitweise taktisch mit Nationalsozialisten gegen sie zusammen. Die beiden Parteien zusammen erhielten durchgängig mehr Stimmen als die NSDAP und schlossen sich nie zusammen. Das war eine katastrophale Entscheidung, die in Moskau getroffen und in Berlin ausgeführt wurde, und sie gehört in diese Darstellung neben die Entscheidungen von Papen und Hindenburg.

Die Lehre, die diese Chronik zieht

Der Faschismus kam nicht, weil eine Bevölkerung den Verstand verlor. Er kam, weil eine besitzende Elite, die einer erstarkenden Linken gegenüberstand, in einem bestimmten Augenblick entschied, die größere Gefahr sei die Umverteilung und die geringere Gefahr eine gewalttätige Bewegung, die sie zu lenken glaubte. Im Lenken irrte sie sich. Bei den Gewinnen irrte sie sich nicht.

Man behalte die Form dieser Entscheidung im Sinn. Sie kehrt wieder, mit anderen Akteuren und niedrigeren Opferzahlen, in Guatemala 1954, im Iran 1953, in Indonesien 1965, in Chile 1973 und in kleinerer, heißerer Gestalt in Ruanda 1994, wo eine bedrohte Elite die Vernichtung dem Teilen der Macht vorzog und damit rechnete, dass die Außenwelt sie nicht aufhalten würde.

Auch darin hatte sie recht.

Fußnoten

  1. Joseph Goebbels, Die Tagebücher, hrsg. von Elke Fröhlich (München: Saur, 1987– ), Einträge aus dem späten Jahr 1932; erörtert bei Ian Kershaw, Hitler 1889–1936: Hubris (London: Allen Lane, 1998), S. 391–405, der Standarddarstellung der Strasser-Krise und der darauf folgenden Wochen. ↩
  2. Eidesstattliche Erklärung von Kurt Freiherr von Schröder, in Trials of War Criminals before the Nuernberg Military Tribunals (Washington: USGPO, 1949–53); siehe auch Kershaw, Hubris, S. 409–415. ↩
  3. Henry Ashby Turner Jr., German Big Business and the Rise of Hitler (New York: Oxford University Press, 1985). Zur Wirtschaftsgeschichte des Folgenden Adam Tooze, The Wages of Destruction (London: Allen Lane, 2006). ↩
  4. Nikolaus Wachsmann, KL: A History of the Nazi Concentration Camps (New York: Farrar, Straus and Giroux, 2015), Kap. 1. ↩
  5. Ulrich Herbert, Hitler's Foreign Workers (Cambridge: Cambridge University Press, 1997); Peter Hayes, Industry and Ideology: IG Farben in the Nazi Era (Cambridge, 1987). ↩
  6. Annie Jacobsen, Operation Paperclip (New York: Little, Brown, 2014); Norbert Frei, Adenauer's Germany and the Nazi Past (New York: Columbia University Press, 2002); zu Barbie der Bericht des Office of Special Investigations des US-Justizministeriums von 1983 (der „Ryan Report“). ↩
Dramatis personae

Wer beteiligt war

  1. Figuren

    Franz von Papen

    1879 – 1969 Chancellor, then Vice-Chancellor of Germany

    A demagogue, hired at a discount

    Recently dismissed as Chancellor and determined to get at his successor, he met Hitler at the banker Schröder’s house in Cologne on 4 January 1933 and proposed a joint government. He took the vice-chancellorship and the right to be present whenever Hitler saw the President, and told his allies that in two months they would have Hitler squeaking. Within six months he had been sidelined; by June 1934 his own staff were being shot.

    Affidavit of Kurt von Schröder, Nuremberg

  2. Figuren

    Paul von Hindenburg

    1847 – 1934 President of Germany, 1925–1934

    His own class

    Hitler was never elected Chancellor; he was appointed, by an 85-year-old president on the advice of a circle around him. Weimar had been running on presidential emergency decree since 1930, so the question of who ruled Germany was in the hands of perhaps a dozen people. Hindenburg was himself an East Elbian landowner, and the Junkers were pressing hard against a chancellor who had floated land redistribution.

  3. Figuren

    Hjalmar Schacht

    1877 – 1970 Banker; later president of the Reichsbank

    The money, once the decision was made

    He helped assemble the November 1932 petition asking Hindenburg to appoint Hitler. Then, on 20 February 1933 with the March campaign under way, he and Göring gathered around two dozen leading industrialists (Krupp, IG Farben, mining and electrical concerns) at Göring’s residence, where Hitler told them this might be the last election for a hundred years. Around three million Reichsmarks were pledged.

  4. Figuren

    Gregor Strasser

    1892 – 1934 Chief organiser of the NSDAP

    The party’s anti-capitalist wing

    His resignation on 8 December 1932, after Hitler refused to let him take a vice-chancellorship, was the most dangerous internal moment in the party’s history, the point at which the Nazi movement was losing votes, out of money and splitting, seven weeks before it took power. Goebbels records Hitler in these weeks saying that if the party fell apart he would finish it with a pistol in three minutes. Strasser was murdered in the purge of June 1934.

    Kershaw, Hitler: Hubris (1998), pp. 391–405

  5. Fraktionen

    The KPD

    Communist Party of Germany

    1918 – 1933 The emergency, as property owners saw it

    Moscow’s line, to the end

    Its vote rose in every election from 1928 to November 1932, reaching 100 seats, and for German industrialists and landowners watching Soviet collectivisation, that, not the Nazis, was the emergency. Its own contribution belongs in the account too: the Comintern’s "social fascism" line held that social democrats were the main enemy and forbade a united front. The two parties together consistently outpolled the NSDAP and never combined.

  6. Figuren

    Henry Ashby Turner Jr.

    1932 – 2008 Historian of German business

    The correction that has to be made

    He showed from company archives that the largest industrial firms mostly did not bankroll the NSDAP before 1933: the party funded itself from dues, rally tickets and publications, and most big businessmen hedged across the conservative parties and regarded Nazi economics as crankery. The claim that survives his correction is not about funding but about choice at the decision point: when the elite had to choose between the Nazis and any accommodation with the organised left, it chose the Nazis. Then the money arrived.

    Turner, German Big Business and the Rise of Hitler (1985)

  7. Figuren

    John J. McCloy

    1895 – 1989 US High Commissioner for Germany, 1949–1952

    The new enemy

    In January 1951 he commuted Alfried Krupp’s twelve-year sentence and restored the confiscated property. Friedrich Flick, convicted of using slave labour, was released in 1950 and died the richest man in West Germany. The reason was stated openly at the time: the new enemy was communism, and men who had spent their careers fighting communists were assets.

  8. Figuren

    Wernher von Braun

    1912 – 1977 Rocket engineer

    Whoever funds the programme

    His V-2 was built by slave labour at Mittelbau-Dora, where more people died making the rockets than were killed by them. Operation Paperclip brought him and around 1,600 other German specialists to the United States, and he went on to direct the rocket that reached the Moon. Reinhard Gehlen was set up running the network that became West Germany’s intelligence service; Klaus Barbie, the Gestapo chief of Lyon, was employed by US counter-intelligence and helped out of Europe.

    Jacobsen, Operation Paperclip (2014)

rwandafacts Eine wissenschaftliche Chronik, mit Belegen.
Die Inhalte sind belegt; Korrekturen sind willkommen.